Panorama Neues Einkaufszentrum für religiöse Türkinnen

22:06  15 mai  2018
22:06  15 mai  2018 Quelle:   dw.com

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Das neue Projekt der ehemaligen Englisch-Lehrerin ist noch größer: Sie hat in Istanbul ein Einkaufszentrum für konservative Frauen eröffnet. Denn während des muslimischen Fastenmonats Ramadan gibt es bei "Zeruj" religiöse Veranstaltungen - und Rabatte auf Klamotten.

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Farbenfrohe Kopftücher, lange Mäntel: "Konservative" Mode ist in der Türkei beliebt. Ein Einkaufszentrum in Istanbul richtet sich an religiöse muslimische Frauen. Bei "Zeruj" gibt es im Fastenmonat Ramadan Rabatte.

Die 35-jährige Zehra Özkaymaz ist ein türkischer Instagram-Star. In den vergangenen Jahren hat sie 19 Festivals organisiert, auf denen Mode für muslimische Frauen gezeigt wurde. Das neue Projekt der ehemaligen Englisch-Lehrerin ist noch größer: Sie hat in Istanbul ein Einkaufszentrum für konservative Frauen eröffnet. Es ist nach ihrem Instagram-Namen benannt: "Zeruj".

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Neues Einkaufszentrum für religiöse Türkinnen 15.05.2018. Farbenfrohe Kopftücher, lange Mäntel: "Konservative" Mode ist in der Türkei beliebt. Ein neues Einkaufszentrum in Istanbul richtet sich an religiöse muslimische Frauen.

Schon bei der Eröffnung am 11. Mai sollen rund 22.000 Menschen das Einkaufszentrum besucht haben. In den kommenden Wochen dürften es mehr werden. Denn während des muslimischen Fastenmonats Ramadan gibt es bei "Zeruj" religiöse Veranstaltungen - und Rabatte auf Klamotten.

Alle Marken unter einem Dach

In den 126 Läden des Einkaufszentrums "Zeruj" haben religiöse türkische Frauen viel Auswahl: von unterschiedlichen Turbanen bis hin zu farbenfrohen Kopftüchern und langen Mänteln.

Die junge Verkäuferin Tutku freut sich über das Einkaufszentrum © DW/B. Karkaş Die junge Verkäuferin Tutku freut sich über das Einkaufszentrum

Im Laden "Kadriye Baştürk", der unterschiedliche Kopfbedeckungen anbietet, läuft arabische Musik. Die 21-jährige Tutku arbeitet hier als Verkäuferin. "Früher mussten Frauen zu unterschiedlichen Geschäften in unterschiedlichen Stadtteilen fahren", sagt sie. In einer Metropole wie Istanbul kann der Weg im chaotischen Verkehr sehr lange dauern. "Jetzt können sie alle Produkte unter einem Dach finden."

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Das Einkaufszentrum orientiere sich an den Bedürfnissen der konservativen Kundin, sagt Geschäftsinhaber Ferit Burhan, der zusammen mit Zehra Özkaymaz das Einkaufszentrum "Zeruj" leitet. "Die Mehrheit der Frauen in der Türkei kleidet sich so", meint er. "Aber bisher gab es kein Einkaufszentrum dafür. Also wollten wir es den Frauen einfach machen."

Ein weiterer türkischer Instagram-Star, Meryem Akbulut, hat in dem Einkaufszentrum ihr Geschäft eröffnet - weil sich ihr Angebot an Frauen richtet. Ihr Sohn Emre sei glücklich darüber, dass so viele Frauen am ersten Tag eingekauft hätten, sagt sie, "aber es wird sich zeigen, wie es weitergehen wird".

Meryem Akbulut ist in der Türkei ein Instagram-Star © DW/B. Karkaş Meryem Akbulut ist in der Türkei ein Instagram-Star

Fünf Mal am Tag erklingt der Gebetsruf

Obwohl sich das Einkaufzentrum hauptsächlich an Frauen richtet, sind hier auch Männer zu sehen - zumindest als Begleiter ihrer Frauen. Ramazan Ekinci ist einer von ihnen. Er wartet vor einem Geschäft, während seine Frau shoppen geht. Die Fahrt war lang, das Einkaufszentrum sei weit vom Wohnort des Ehepaars. "Es hätte doch auch einen Laden für Männer geben können", sagt er und schmunzelt.

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Neues Einkaufszentrum für religiöse Türkinnen 15.05.2018. Farbenfrohe Kopftücher, lange Mäntel: "Konservative" Mode ist in der Türkei beliebt. Ein neues Einkaufszentrum in Istanbul richtet sich an religiöse muslimische Frauen.

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Das Einkaufszentrum "Zeruj" steht auch für die immer konservativeren Tendenzen in der Türkei. So hört man im Gegensatz zu gewöhnlichen Einkaufszentren hier fünf Mal am Tag den Gebetsruf, mit dem die gläubigen Muslime an die täglichen Gebete erinnert werden. Geschäftsinhaber Ferit Burhan kann nicht nachvollziehen, warum die türkischen Medien gerade das immer wieder betonen. "Schließlich leben wir in einem mehrheitlich von Muslimen bewohnten Land, und das gehört dazu. Dieser Ruf ist auch sonst überall in der Stadt zu hören", argumentiert er.

Im Einkaufszentrum © DW/B. Karkaş Im Einkaufszentrum

Das sieht die türkische Anthropologin Dr. Ayşe Çavdar anders. Für sie ist das konservative Einkaufszentrum ein Bekenntnis der religiösen Menschen zum Kapitalismus.

Çavdar hat sich in ihrer Dissertation mit einer ähnlichen Frage beschäftigt. Ihre These: Die Freiheit zu konsumieren sei mittlerweile viel wichtiger als andere Freiheiten geworden. "Frauen sind nur die zur Schau gestellten Gewinnerinnen des Wirtschaftsbooms in der Türkei. Die eigentlichen Gewinner sind Männer, die eine neue Zielgruppe für ihre Geschäfte gefunden haben. Das wird unter dem Label 'Befreiung der muslimischen Frau' verkauft", kritisiert Çavdar.

"Frauen werden mit Konsum belohnt"

Aus ihrer Sicht hat das Einkaufszentrum nichts mit Religion zu tun. Sie vergleicht es stattdessen mit einem Harem, also dem abgetrennten Bereich des Wohnhauses, in dem einst Frauen wohnten: "Der Harem war ein architektonisches Element, das nach außen hin die Privatsphäre eines Hauses zeigen sollte. Dieses Einkaufszentrum zeigt nur den Außenbereich des Hauses. Aber es hindert Frauen daran, ein Teil des Gesellschaftslebens zu werden. Im Einkaufszentrum gilt: Wenn Frauen ihre eigenen Grenzen kennen, werden sie von Männern mit Konsum belohnt."

Autor: Burcu Karakaş

Neues Projekt für Horst Lichter .
Neues Projekt für Horst Lichter . Der „Bares für Rares“-Moderator widmet sich in Zukunft einer neuen Arbeit und ist nun Botschafter der Stiftung lichterzellen. Dass Lichter alleine vom Namen zu der Stiftung passt, ist Zufall, die Gründe für das Angehen der neuen Aufgabe hingegen liegen in seiner Vergangenheit. Seit Kurzem gib es ein n (56). Der Moderator ist nun Botschafter der Stiftung lichterzellen, die sich für die Erforschung von zwei seltenen Blutkrankheiten und davon betroffenen Patienten und Angehörigen einsetzt.

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